10.01.2012, 14:26 Uhr
Für die deutsche Olympia-Mannschaft bleiben die Top-Nationen aus Sicht von Thomas Bach bei den Spielen 2012 in London unerreichbar. "Die Wiederholung des fünften Platzes im Medaillenspiegel von Peking wäre ein herausragender Erfolg", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der "Bild"-Zeitung. Bach kündigte zudem eine Generalrevision des deutschen Leistungssportes nach Olympia an und warnte angesichts der zunehmenden Anstrengungen vieler Länder: "Wir müssen sehr aufpassen, dass wir nicht zurückfallen."
China, die USA und Russland sieht Bach bei den Spielen in London vom 27. Juli bis zum 12. August in der Nationenwertung außer Reichweite. Gastgeber Großbritannien sei wegen des Heimvorteils Favorit auf Platz vier. "Dahinter kämpfen ein paar Länder um Platz fünf, auch wir", sagte der Fecht-Olympiasieger von 1976. "Das wird ein heißes Pflaster für unsere Mannschaft. Der Kampf um die Medaillen wird härter, dieser Kampf ist mit nichts vorher vergleichbar."
Mit Blick auf die Weltmeisterschaften der Vorsaison verwies Bach darauf, dass im Medaillenspiegel zwischen Platz vier und neun nur zwei Goldmedaillen gelegen hätten. Noch nie seien so viel Geld und Wissenschaft in den Sport investiert worden, überall gebe es Sonderprogramme, fügte der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hinzu. Er nannte außer China, den USA, Russland und Großbritannien auch Australien, Frankreich, Kanada, Japan und Südkorea.
Um den Anschluss an die Weltspitze nicht zu verlieren, kündigte er Maßnahmen an: "Wir werden alles auf den Kopf stellen und analysieren. Von Olympia-Stützpunkten bis zur Förderung der Athleten." In diesem Zusammenhang appellierte Bach auch an Politik und Wirtschaft: "Wenn wir die finanzielle Basis nicht verbessern, besteht die Gefahr, dass wir mittelfristig nicht mehr in der internationalen Spitze mithalten können."
Schon jetzt zeichnet sich nach dem Scheitern etlicher Ballsportarten in der Qualifikation das kleinste deutsche Team bei Sommerspielen seit der Wiedervereinigung ab. Eine Zahl von 428 Athleten wie im Jahr 2000 in Sydney scheint ausgeschlossen, eher werden es unter 400. In sechs Sportarten haben sich bislang von zwölf möglichen Mannschaften (jeweils Männer und Frauen) nur die Hockeyteams qualifiziert, die 2008 Edelmetall gewannen. Realistisch gesehen kommt eher kein Team mehr hinzu. "Es ist schade, dass wir als Fußball-Land keine Mannschaft bei Olympia haben. Von den Frauen hätten wir uns sogar eine Medaille erhofft. Auch für die Handball-Männer wird der Weg nach London sehr schwierig, nachdem die Frauen gescheitert sind" sagte Bach.
Quelle: sid , dpa
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